LUCA FREI: THE FIFTH BUSINESS


10. März 2012 – 13. Mai 2012

Freitag, 9. März, 19 Uhr, Eröffnung


 

 


LUCA FREI, The Sun Twenty Four Hours, 2011, sechs Metallregale, sechzig Sanduhren, Kartonboxen, Courtesy Luca Frei und Studio Dabbeni, Lugano
LUCA FREI, Skizze für Family, 2012, Tinte und Bleistift auf Papier, 19 x 29,5 cm, Courtesy Luca Frei

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Der Ausdruck Fifth Business bezieht sich auf eine Art von Charakter klassischer Dramen, der weder der Held, der Vertraute, der Rivale noch der Schurke ist. Obwohl er nur eine Nebenrolle besitzt, bringt er ein Schlüsselelement in die Handlung ein. Dieser Begriff, entliehen aus der Literaturtheorie, wird von Robertson Davies in seinem gleichnamigen Buch erläutert und in die Geschichte einbezogen. Die Übernahme des Titels deutet auf eine narrative Komponente in der Ausstellung von LUCA FREI (*1976, Lugano) hin. In seiner ersten Einzelpräsentation in Deutschland zeigt FREI Skulpturen und Installationen, die die gesamte Halle architektonisch bespielen, und lässt unter anderem eine bronzene Ananas auf gläserne Sanduhren treffen.

Eine scheinbare Heterogenität prägt die Ausstellung, doch bildet das Medium der Zeichnung einen gemeinsamen Ausgangspunkt für die meisten Werke – seien es Skulpturen oder Wandreliefs. Ein überdimensionaler Metallring hängt an der Wand und dient als Präsentationsform für Fotokopien von Zeichnungen, welche die Besucher durchblättern können. Im Raum freistehende Metallstrukturen basieren formal auf Graffitis, bei denen die Buchstaben tanzenden Körpern ähneln. Diese linearen Skulpturen, deren Proportionen an Silhouetten erinnern, fügen sich zu einer mehrteiligen Einheit, die sich zwischen Körper und Text entfaltet. FREI benutzt die Zeichnung als Notizmittel, zeigt sie aber nicht als solche in der Ausstellung.

Auf eine Wand wurde eine Kreislinie gezogen. Ein Seil hängt genagelt in ihrer Mitte – Spuren einer Handlung, die in der Vergangenheit liegt. Handlungsszenarien und Zeiterfahrung sind wichtige Aspekte der Ausstellung. Jeder Besucher kann beispielsweise eine der zahlreichen Sanduhren von der Arbeit The Sun 24 Hours betätigen und dadurch die in der Ausstellung verbrachte Zeit für andere sichtbar machen. Doch weisen die mundgeblasenen Sanduhren leichte Abweichungen auf, so daß eine exakte Messung der Zeit nicht möglich ist. Die Installation stellt die Existenz von multiplen Zeiten dar, die öfters divergieren und sich manchmal widersprechen. Das ursprüngliche Verpackungsmaterial der Sanduhren, Seiten der italienischen Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore, verleiht der Arbeit ihren Titel. Sie wird mit einer weiteren Zeitung in Verbindung gebracht, die im Rahmen der Ausstellung entstanden ist und für den Besucher zum Lesen in der Halle zur Verfügung ausliegt. Die Ausstellung schafft ein Gerüst für eine potentielle Handlung, bei welcher feste Strukturen und Skurriles aufeinandertreffen. Eine Schürze in Übergröße deutet auf die Existenz von Riesen, während der Zeichnung auf ihrer Oberfläche zeigt, wie eine Kreatur im Hochhauskostüm von Krokodilhunden angegriffen wird. Dieses Objekt mit surrealem Charakter wirkt, wie weitere Werke in der Halle, akkurat und zugleich abwegig.

Zwischen heiterer Naivität und raffinierter Materialität entwickelt sich die visuelle Ebene dieser Ausstellung. Die gesellschaftlichen Themen, die in FREIS Arbeit zu finden sind – wie Identität, das Maß der Zeit, Kontrolle des Körpers, Anpassungszwang – werden immer wieder auf eine anscheinend arglose, unbedarfte Art angesprochen, der nicht zuletzt auch Selbstironie innewohnt.

Der Schweizer Künstler LUCA FREI lebt in Malmö, Schweden, und war in den vergangenen Jahren international in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten (u.a. Aufruf zur Alternative, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, 2011; The Moderna Exhibition 2010, Moderna Museet Stockholm, 2010; All That Is Solid Melts Into Air, Museum van Hedendaagse Kunst, Antwerpen, 2009; Audio, video, disco, Kunsthalle Zürich, 2009). Er war u.a. 2009 Gewinner des Swiss Art Awards und 2005 Stipendiat von IASPIS.

Diashow

LUCA FREI: THE FIFTH BUSINESS, Bonner Kunstverein 2012; Foto: Simon Vogel

LUCA FREI: THE FIFTH BUSINESS, Bonner Kunstverein 2012; Foto: Simon Vogel

LUCA FREI: THE FIFTH BUSINESS, Bonner Kunstverein 2012; Foto: Simon Vogel

LUCA FREI: THE FIFTH BUSINESS, Bonner Kunstverein 2012; Foto: Simon Vogel

LUCA FREI: THE FIFTH BUSINESS, Bonner Kunstverein 2012; Foto: Simon Vogel

LUCA FREI: THE FIFTH BUSINESS, Bonner Kunstverein 2012; Foto: Simon Vogel

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