THE BENCH:
MICHAEL BEUTLER, KATARZYNA JÓZEFOWICZ, PHOEBE WASHBURN
15. Juli - 11. September 2005
Freitag, 15. Juli, 19 Uhr Eröffnung

 

 

MICHAEL BEUTLER Ausstellungsansicht im Bonner Kunstverein
MICHAEL BEUTLER Ausstellungsansicht im Bonner Kunstverein

Lange vor der Erfindung bunter Lounges gab es im Ausstellungsraum Sitzbänke, von denen aus der Besucher die Werke in Ruhe betrachten konnte. THE BENCH versteht sich als Setzung, die der beschleunigten Gesellschaft (Peter Glotz) entgegenwirkt. Die Ausstellung fordert die Auseinandersetzung mit der Identität zwischen Kunstwerk und Subjekt, die sich während der Betrachtung konstituiert. Die Grenzen einer überschaubaren und konsumierbaren künstlerischen Struktur werden zugunsten einer visuellen Ausuferung aufgegeben. Nicht der Betrachter konsumiert die Kunstobjekt, statt dessen nehmen uns diese in der Verzögerung eines nicht abzuschließenden Wahrnehmungsprozesses ein. In ihrer Vielschichtigkeit und schieren Unermesslichkeit erweisen sich die Arbeiten von Michael Beutler, Katarzyna Józefowicz und Phoebe Washburn als äußerst komplex. Sie finden ihre eigene Zeit und konstituieren eine Form von räumlicher und zeitlicher Eindringlichkeit, die es außerhalb des Kunstkontextes so nicht gibt. Als einfache Codes sind sie nicht zu entschlüsseln. Nur durch wiederholtes Lesen ihrer visuellen Struktur findet auch eine inhaltliche Annäherung statt. Dieser Wahrnehmungsvorgang ist ergiebig und schier unerschöpflich. Michael Beutlers (*1976, Frankfurt) Installationen entstehen aus disparaten Materialien. Seine Interventionen sind geleitet durch das Aufspüren von Defiziten, Leerstellen und Unstimmigkeiten und vollziehen sich in direkten Eingriffen in die bestehende Architektur. Die polnische Künstlerin Katarzyna Józefowicz (*1959, Warschau/Danzig) schneidet in unzähligen Arbeitsstunden aus Tageszeitungen, Zeitschriften und Magazinen verschiedene Formen aus: kleine Würfel, Streifen oder Figuren. Die einzelnen Teile fügt sie zu riesigen Bodeninstallationen zusammen. Wie ein unzulängliches Archiv hat sie Zeitungspapierstreifen mit unzähligen Informationen zu kreisrunden Rollen sorgfältig zusammengewickelt. Die einzelenen Scheiben ergeben zusammen eine rätselhafte Konstellation, die nicht länger lexikalisch zu entschlüsseln ist. Für "Games" stellte Jósefowicz mehrere Tausend Kartonwürfel her und tapezierte sie mit den Werbebeilagen aus einem Wochenblatt. Wie bei einem Kleinkinderpuzzle ergibt jede Würfelseite ein anderes Bild. Atomisiert, aufgetürmt und mit einer einzigen Handbewegung in malerische Unordnung gebracht erinnern die auf den kleinen Würfeln verwendeten Werbebotschaften nur noch fern an die feil gebotenen Waren. Die größtenteils aus Abfallmaterialien bestehende Installation "Somebody´s Home at War" von Phoebe Washburn (*1973, New York) ist ausufernd. Aus Restholz und gegossene Gipsplatten eine unendlich scheinende Landschaft, die sich, Wellen, Gewölbe, Bahnen bildend, über einem Lattengerüst erstreckt. Bunten Plastiknägel und -fahnen sprießen wie Wildwuchs aus Ritzen und Ecken. Gipssäcke und liegendgebliebenes Verbrauchsmaterial paraphrasieren ein ökonomisches Modell, in dem alles in einem System erhalten bleibt. Unterschiedliche Ordnungssysteme reihen sich aneinander, die einzeln oder gemeinsam gesehen werden können.

THE BENCH stellt explizit die visuelle Komplexität von Kunst zur Schau. Dabei gilt es zwischen Schauen und Sehen zu unterscheiden. Es gibt verschiedene Arten des Sehens, die sich je nach Situation, Stimmung und Lesart verändern. An verschiedenen Tagen lassen sich widersprüchliche Perspektiven ein und desselben Werkes wahrnehmen, die alle Gültigkeit besitzen. In der Betrachtung von Kunst begegnen sich Subjekt und Objekt des Schauens als ganz verschiedene Größen.

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