JEPPE HEIN: MODIFIED SOCIAL BENCHES
18. Mai 2008 – Mai 2009
Sonntag, 18. Mai, 11 Uhr Eröffnung

 

 

JEPPE HEIN Ausstellungsansicht Bonner Kunstverein
JEPPE HEIN Ausstellungsansicht Bonner Kunstverein

In seiner 2006 begonnenen Serie der MODIFIED SOCIAL BENCHES greift der Künstler auf die Typologie der einfachen Parkbank zurück. Auf unterschiedliche Weise veränderte er diesen Prototyp der öffentlichen Sitzgelegenheit hin zu einem Objekt, das nicht mehr den Wunsch nach Rast, Passivität oder gegebenenfalls auch Alleinsein bedient, sondern vielmehr den Akt des Sitzens an sich zu einer physisch und sozial bewusst erlebbaren Unternehmung macht. So werden die vier eigens für Bonn entwickelten Bänke auf dem Vorplatz des Kunstvereins eher einen Austausch zwischen Benutzern und Vorbeigehenden fördern, ohne aber das Angebot zum Verweilen gänzlich auszuschlagen. Die Intervention nimmt das  bestehende formale Vokabular am Vorplatz mit Gerüst und Tellerlampen auf und nimmt gleichzeitig auch direkten Bezug auf soziale wie psychologische Elemente, die auf dem Vorplatz zum Tragen kommen: Der Platz wird nur von Bürgersteig und Fahrradweg vom vielbefahrenen Hochstadenring getrennt. Erscheint eine Sitzbank als Einladung zum Verweilen an einem solchen Ort zunächst fehl am Platz, kann sie gleichzeitig aber auch auf eine mögliche andere Nutzung des Platzes aufmerksam machen. Der öffentliche Ort, der normalerweise an dieser Stelle Passage oder Abstellplatz für Autos war, wird zum Ort des spielerischen Nachdenkens über mögliche andere Nutzungsqualitäten. Einmal zur Ruhe gekommen, fällt dem Bankbenutzer auch das Umfeld ins Auge – die Randlage an der Nordseite der lebendigen Bonner Altstadt, das städtische Frankenbad .direkt gegenüber und das August Macke Haus in unmittelbarer Nähe. Der eigentlich im Geflecht vieler städtischen Anziehungspunkte gelegene Ort erscheint als negative Oase und befragt jeden Besucher, der sich darauf einlässt dazu, wie mögliche Änderungen aussehen könnten. Das agieren und Nachdenken innerhalb des öffentlichen Raums wird bei JEPPE HEINS Installation MODIFIED SOCIAL BENCHES darüber hinaus noch gedoppelt. Indem er die Bänke selbst noch einmal einer nutzungsbedingten Änderung unterzieht, beispielsweise die Sitzflächen in der Mitte absenkt, sie zu einer Spirale formt oder auch in Zick-Zackform ausführt, muss sich der Benutzer mit und auf diesen Bänken einmal mehr anders verhalten als gewohnt. Während die Bänke als Bänke klar erkennbar bleiben, ändert sich ihre Funktion - und konkret an dieser Stelle auch die Funktion des öffentlichen Raums – das Überschreiten des Platzes wird durch eine mittig platzierte Bank unterbrochen, der Nutzer der Bank wird weniger zum Rastenden als vielmehr zum Agierenden, Involvierten und möglicherweise auch zum Objekt der Beobachtung für alle Passanten, die sich um und auf dem Platz bewegen. Mit der Einladung von JEPPE HEIN entschied sich der Bonner Kunstverein für einen noch sehr jungen Künstler, der jedoch bereits genug Erfahrung hat, um mit der Komplexität, die dem Vorplatz in seiner unterschiedlichen Nutzung und vielschichtigen sozialen Verortung innewohnt, zurecht zu kommen. Mit der Installation von JEPPE HEIN wird der Vorplatz, der neben dem Bonner Kunstverein auch Eingang für die Gesellschaft für Kunst Gestaltung (gkg) und das Künstlerforum ist, neu eingeweiht. Zwischen der bisherigen (Fehl-) Nutzung des Vorplatzes als Parkplatz und der neuen Außenbestuhlung durch das Einstein Kaffee im Bonner Kunstverein, platziert der Künstler vier Bänke als Dispositiv zwischen dysfunktionalen Objekten und interaktiven Möbelstücken. Der künstlerische Ansatz kann als präzise Weiterentwicklung und Nutzung der künstlerischen Werke gesehen werden, die in den letzten zehn Jahren im Spannungsfeld von Design und Kunst als Dienstleistung entstanden sind. JORGE PARDO, ANGELA BULLOCH oder auch DAN PETERMAN haben zwischen Minimal Art und Institutionskritik angesetzt, JEPPE HEIN bleibt einer kühlen künstlerischen Sprache verpflichtet, lädt sie aber zusätzlich fast unmerklich mit einem dadaistischen Zug auf, was sich in einem schwarzen Humor oder auch in einer Poesie manifestiert, die den Werken bei aller Distanziertheit innewohnt

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