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Benoît Platéus, Installationsansicht, 2019, Bonner Kunstverein, Courtesy der Künstler. Foto: Mareike Tocha

Benoît Platéus

 Eröffnung: Mittwoch, 19. Juni, 19 Uhr

Platéus‘ Malereien, Collagen, Objekte und Videos beziehen sich auf vorgefundene kulturelle Artefakte wie Comics, Fotografien sowie Film- und Werbeplakate. Unter Verwendung digitaler und analoger Techniken experimentiert der Künstler mit zufallsbedingten Bildergebnissen, indem er die Originalvorlage reproduziert, übersetzt oder verzerrt. Dabei bedient sich Platéus vor allem der unvorhersehbaren Störungen, Fehler und Spuren, die aus dem unermüdlichen Transformationsprozess der Materialien hervorgehen.

Die Ausstellung gibt einen Einblick in Platéus‘ medienübergreifende Praxis und präsentiert eine Auswahl von Werken, die in den letzten 20 Jahren entstanden sind. Viele der ausgestellten Arbeiten bewegen sich unentwegt zwischen materiellem Objekt und fiktionsbildender Einheit und spielen auf das Verhältnis von Bild, Illusion und den Raum dahinter an.

Auf den Rückseiten alter Filmplakate etwa, die Platéus online gekauft hat, bearbeitet er die durchscheinenden Spuren und Überreste der Vorderseiten und verleiht den nicht mehr greifbaren Bildelementen somit eine neue Präsenz. In einer anderen Werkreihe löst Platéus mithilfe eines Fotokopierers und digitaler Bildbearbeitungsprogramme die Bild- und Textkomposition auf, die das typische Format von Comicbüchern bestimmt. Damit irritiert der Künstler den linearen Ablauf der Erzählstrategie und offenbart zugleich eine suggestive Kraft, die über die bloße Intention seiner GestalterInnen hinausgeht. In seiner neuesten Serie, bestehend aus großformatigen Frottagen, überträgt Platéus die Oberflächenstruktur urbaner Fragmente aus New York und Los Angeles auf Leinwand. Nach Personennamen betitelt, erhalten die Gemälde einen Subjektstatus und laden dazu ein, eine Verknüpfung zwischen Name und Inhalt herzustellen.
Platéus‘ Werke nehmen demnach eine Sprecherposition ein, bilden untereinander Echos und Resonanzen und unterziehen sich einer ständigen Neubewertung.

Die Ausstellung im Bonner Kunstverein ist Platéus‘ erste Einzelausstellung in Deutschland und entstand in Zusammenarbeit mit WIELS, Zentrum für zeitgenössische Kunst in Brüssel, das zuvor dem Künstler seine erste Retrospektive (02.02-28.04.19) ausrichtete. Beide Ausstellungen werden von einem umfangreichen Ausstellungskatalog begleitet.

Benoît Platéus (geb. 1972, Lüttich) lebt und arbeitet in Brüssel. Sein Werk wurde in einer Vielzahl von Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem WIELS, Brüssel (2019); Palais de Tokyo, Paris (2016); Mu.ZEE, Ostende (2013); S.M.A.K., Gent (2006).