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Banu Cennetoğlu, 11.08.2015, Installationsansicht, 2015, Bonner Kunstverein, Courtesy die Künstlerin und Rodeo, London. Photo: Simon Vogel

Banu Cennetoğlu

1970 in Ankara geboren und derzeit in Istanbul ansässig, wird Cennetoğlu eine Werkreihe präsentieren, die durch ihr Interesse an Information geprägt ist und dadurch, wie sich die Bedeutung gegenwärtiger Ereignisse und zeitgenössischer Kultur über die Zeit hinweg verändert. In der Ausstellung wird das neue raumgreifende Werk 11.08.2015 gezeigt. Dieses umfasst jeweils ein Exemplar jeder nationalen, regionalen und lokalen Tageszeitung, die in Deutschland am 11. August 2015 veröffentlicht wurde. Über 1.000 Zeitungen wurden zusammengetragen, geordnet und gebunden, um, wie es Cennetoğlu selbst beschreibt, eine „sowohl einzigartige Referenzbibliothek als auch ein Kunstobjekt“ zu erhalten, „in dem die Nachrichten eines Tages zugleich Material und Thema darstellen“. Das Werk kann als Porträt einer Gesellschaft, erstellt anhand der Nachrichten eines Tages, verstanden werden. Ebenso zelebriert es geradezu das Medium der gedruckten Zeitung und damit eine Tradition, die in Deutschland bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht und heute von der Vorliebe des Konsumenten für digitale Formate bedroht wird.

Der Kunstverein hat zudem mit Cennetoğlu für die kontinuierliche öffentliche Intervention The List zusammengearbeitet. The List ist ein Dokument, das Informationen zu 22.394 Flüchtlingen und Asylsuchenden beinhaltet, die innerhalb oder an den Grenzen Europas seit 1993 zu Tode kamen. Es wird jährlich durch die in Amsterdam ansässige NGO United for Intercultural Action erweitert und aktualisiert. The List wird Januar 2016 in Form von Plakaten innerhalb des gesamten Bonner Stadtgebiets zur Aufhängung kommen.

Cennetoğlu hat die Institution des Kunstvereins im Ganzen miteinbezogen, um ihre Ausstellung zu entwickeln, darunter Interventionen mit der Außenbeleuchtung des Kunstvereins und eine neue Arbeit, die sich mit der Artothek auseinandersetzt. Weitere Arbeiten der Ausstellung spiegeln das Interesse der Künstlerin an Sprache im Allgemeinen, unter anderem ein ausgreifendes Textwerk um die Thematik der Verweigerung in Form von Heliumballons, denen graduell die Luft immer weiter entweicht.

Es handelt sich um Cennetoğlus erste Einzelausstellung in Deutschland und die bisher umfassendste Präsentation ihrer Werke innerhalb der letzten vier Jahre.

Die Ausstellung wird großzügig unterstützt durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West und SAHA Association – Supporting Contemorary Art from Turkey.

Banu Cennetoğlu (geb. 1970 in Ankara) studierte zunächst in Istanbul, Paris und New York, bevor sie 2002 eine Residency an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam erhielt. Ihre Arbeiten wurden auf der zehnten Gwangju Biennale (2014), der Manifesta 8 in Murcia (2010),der zehnten Istanbul Biennale und der ersten Athen-Biennale (beide 2007) sowie der fünften und dritten Berlin Biennale (2008 und 2004) gezeigt. Eine große Einzelschau wurde ihr 2011 in der Baseler Kunsthalle ausgerichtet, und sie vertrat die Türkei gemeinsam mit einem weiteren Künstler auf der 53. Biennale von Venedig (2009). Cennetoğlu wurde zudem für das Berliner Künstlerprogramm des DAAD für 2016 ausgewählt. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Istanbul, wo sie seit neun Jahren auch den gemeinnützigen Projektraum BAS im Stadtzentrum betreibt, der sich dem Sammeln, Archivieren, Ausstellen und der Veröffentlichung von Künstlerbüchern in limitierter Auflage widmet.