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Charline von Heyl, Installationsansicht, Bonner Kunstverein, 2012. Photo: Simon Vogel

Charline von Heyl

Die Arbeiten der Künstlerin Charline von Heyl (*1960, lebt und arbeitet in New York und Marfa, Texas) demonstrieren die ungebrochene Aktualität der Malerei. In der ungewöhnlichen Kombination von Kohle, Pastell, Acryl-, Öl- oder auch Sprühfarben entstehen paradoxe Bildwelten: Rauten, Zackenbänder, Kreise treffen auf amorphe Formen, gestische Partien sowie frei geführte Linien deuten Umrisse an, kräftige Farben oder reduziertes Schwarzweiß bilden Schichten eigener Malrealität.

Mit einer Bildsprache, die sich jenseits begrifflicher Festschreibungen wie beispielsweise Abstraktion oder Figuration ereignet und zeitgemäß die Geschichte der Malerei aufgreift, erarbeitete sich die Künstlerin einen internationalen Ruf und hatte zahlreiche Einzelausstellungen u.a. in der Wiener Sezession, 2004, im Institute of Contemporary Art, Philadelphia, 2011, und der Tate Liverpool, 2012. Obgleich Charline von Heyl viele Jahre Teil der rheinischen Kunstszene war, ist die Präsentation im Bonner Kunstverein ihre erste institutionelle Einzelausstellung in der Region.

In Bonn aufgewachsen, studierte von Heyl zunächst in Hamburg, bevor sie an die Düsseldorfer Kunstakademie wechselte. Zwar hat sich seit der Übersiedlung nach New York 1994 ihre Malweise stark erweitert, doch nahm sie aus der rheinischen Kunstszene um Martin Kippenberger wichtige Impulse mit: „Ich habe als Malerin in einem Umfeld begonnen, in dem Malerei cool und auch aggressiv war, und tatsächlich habe ich den Glauben an dieses radikale Potential von Malerei nie verloren.“ In der Folge entwickelte sie ihr eigenes Vokabular, dessen Vielfalt unbefangen Elemente aus dem Kanon der Kunstgeschichte, aus Zeitungen, Comics, dem Internet und Design, aktuelles genauso wie beispielsweise griechische Vasenmalerei oder afrikanisches Shoowa Design, einbindet. Dieses vielgestaltige Material bildet eine Art Archiv, das indirekt in die Praxis hineinwirkt. Intuitiv und ohne Vorzeichnungen beginnend, hält die Künstlerin den malerischen Prozess bewusst offen und führt die Werke bis zu einem Punkt, an dem sie trotz der angesprochenen Vielfalt ikonische Einprägsamkeit erlangen. Narrativität, Schönheit oder gar Gefälligkeit sind dabei keine Kriterien, sondern Bildzustände, die wieder verworfen und sabotiert werden. So lassen sich die Arbeiten als eigensinnige, selbstbestimmte Charaktere umschreiben, die zum Näherkommen verführen, Einblicke zulassen und zugleich ihre Distanz wahren.

Charline von Heyls Malerei zeichnet eine erstaunliche Vielschichtigkeit aus, doch ziehen sich durch ihr Schaffen bestimmte Themen und Bildlösungen, die über Jahrzehnte hinweg Werkzusammenhänge erkennen lassen. Die in Kooperation mit der Kunsthalle Nürnberg aus Amerika wie Europa zusammengetragene Auswahl jüngerer Arbeiten verbindet vor allem der Einsatz grafischer Elemente. Das Grafische, welches Charline von Heyl in Form von Streifen und Zickzackbändern strukturierend oder dynamisierend nutzt und – wie beispielsweise in gemalten Binnenrahmungen – medienreflexiv verwendet, spielt in der Werkentwicklung der Künstlerin eine besondere Rolle. Gemalte Partien scheinen mit dem Druckstock aufgetragen, Punkte oder harlekinartige Rautenmuster gestempelt, und einzelne Farboberflächen, die nicht die Spur eines Pinselstrichs erkennen lassen, könnten dem Drucker entstammen. In Collagen und Papierarbeiten, die parallel zu den großformatigen Leinwänden entstehen, experimentiert von Heyl mit den verschiedensten Techniken, und die dort gemachten Erfahrungen wirken auf den Malprozess zurück.

Die Ausstellung im Bonner Kunstverein macht den intensiven Dialog zwischen den beiden Werkbereichen erfahrbar. Neben der Malerei zeigt sie im zentralen Kabinett der Präsentationsfläche eine Serie neuer Papierarbeiten sowie das Künstlerbuch Sabotage (2008), in dem beim Umschlagen der transparenten und opaken Seiten Bilder entstehen und transformiert werden.