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Klaus Merkel, Écart Arrière, Installationsansicht, 2015, Bonner Kunstverein. Photo: Simon Vogel

Klaus Merkel

Anlässlich der ars viva-Präsentation in der großen Halle zeigt Klaus Merkel (*1953 in Heidelberg) im Foyer des Kunstvereins mit seiner Ausstellung Écart Arrière eine Serie von gleichformatigen Leinwänden, die der Künstler in den letzten 22 Jahren realisiert hat und die alle demselben malerischen System folgen. Anfang der neunziger Jahre konzipiert Merkel seine Katalogbilder, sieben große Tafeln, auf welchen er im Maßtab 1:10 in linearer Reihung sein gesamtes bisheriges Werk, das zwischen 1988 und 1995 realisiert worden war, nachmalt. Aus diesem Archiv von Miniaturmalereien heraus eignet er sich in den nachfolgenden Bildern sein eigenes Werk erneut an, um, so der Künstler, „Bilder mit Bildern zu malen“. Vergleichbar mit abstrakten, rechteckigen Spielkarten-Formaten können die Miniaturmalereien von Bild zu Bild als solche wiederholt werden oder aber auch im Gemälde neue Gestalt annehmen. Gemalt auf variationsreichen Hintergründen, von monochromen Farbflächen bis zu perspektivischen Liniengittern aus fließenden Farbverläufen oder palettenähnlichen Pinselspuren, können sie einzeln, in Reihung, überlagert oder frei auf der Bildfläche erscheinen. Dieses auto-referentielle System, in dem nun die Bilder individuell und als Ensemble gelesen werden können, öffnet einen Horizont an Möglichkeiten, der von jeglicher erkennbaren Chronologie losgelöst ist.

Während sich die Arbeit Merkels stark in die Geschichte und den theoretischen Diskurs der Malerei einschreibt, welcher die Frage des Kontextes, der Organisation und der Rahmung stellt, bietet die Ausstellung Écart Arrière eine aktuelle und direkte Lesart seiner Arbeiten in Verbindung mit jenen Tendenzen der zeitgenössischen Kunst, die das Internet und digitale Technologien als Werkzeug nutzen. Die Idee von Ebenen, Vernetzung und Ausschnitte, die an Computerfenster erinnern, ein endloses Informationsarchiv, eine Sprache, die etwas Mathematisches hat, die wir aber nicht direkt verstehen, dazu strahlende Farben, die die Leinwand in einen flimmernden Bildschirm verwandeln, Zusammenstellungen, die von Photoshop stammen könnten – all dies sind Beispiele für Elemente einer Malerei, die einerseits eine virtuelle Realität, anderseits die Parallelität und Gleichzeitigkeit des Internets evozieren. Wenngleich die Malerei von Klaus Merkel keine Geschichten erzählt, legt sie eine ästhetische Formulierung vor, die durchaus auf die technologischen Entwicklungen ihrer Zeit reagiert.