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Ed Atkins, Installationsansicht, Bonner Kunstverein, 2012. Photo: Simon Vogel

Ed Atkins

In den Ausstellungen des Bonner Kunstvereins treffen die analogen Fotografien von Markéta Othová (*1968) auf die High Definition Videoinstallation des britischen Künstlers Ed Atkins (*1982): schwarzweiße wie farbige Aufnahmen alltäglicher Momente auf computergenerierte Filmsequenzen mit präzisen Schnittrhythmen und satten HD-Farben. Trotz der offensichtlichen Unterschiede verbindet die Künstler die dezidierte Auseinandersetzung mit ihrem jeweilige Medium.

Obgleich als Einzelpräsentationen konzipiert, führen die zwei Positionen einen vielschichtigen Dialog, bei dem Atkins’ Videoprojektion im zentralen Kabinett des Ausstellungsraumes und die es umgebenden Fotografien Othovás ineinander widerhallen.

Die Arbeit des britischen Künstlers Ed Atkins (*1982 Oxford, lebt und arbeitet in London) besteht vornehmlich aus digitalen Filmen, die sich entlang experimenteller Texte entfalten. In seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland präsentiert der Künstler das vielfältige Projekt A Tumor (In English) (2011), in dessen Zentrum ein Text von Atkins steht, welcher den Besuchern zur Mitnahme bereit liegt. Dieser kommt auszugsweise in einem präzise montierten Film vor, der Erinnerungen an den Film noir und 3D-Simulationen hervorruft. Der Künstler entwickelt jedoch eine ganz eigene, bisweilen eigenartige Bildsprache. Wie Ed Atkins selber sagt, kennt er – im Gegensatz zu experimentellen Filmemachern vorheriger Generationen, die mit Celluloid arbeiteten – nicht den genauen technischen Entstehungsprozess eines computergenerierten Films und kann mit dem Material nicht unmittelbar hantieren. In dieser abstrakten Konfrontation gestaltet sich der Arbeitsprozess bereits als eine Art „magisches Szenario“.

A Tumor (In English) (2011) artikuliert Gedanken über existenzielle Fragen zu Leben und Tod, Krankheit und Körper, Beschränkung und Befreiung, zu den Verknüpfungen zwischen Materiellem und Immateriellem. Diese Themen sind eng mit Atkins’ Entscheidung verbunden, digitale Medien zu verwenden: die High Definition Bildqualität erlaubt eine Wirklichkeitsnähe, die zugleich verfremdend wirkt. Die HD-Bilder zeigen die gefilmten Oberflächen genauer, als wir sie selber sehen können, und spotten in ihrer aufdringlichen Perfektion unserer Wahrnehmung. Der Entfremdung der HD-Technologie setzt Atkins eine Spannung entgegen, die von seinem grotesken, manchmal sogar abstoßenden Text erregt wird. Ebenso gleicht der Künstler die Leblosigkeit der Bilder aus, indem er das gesamte filmische Dispositiv spürbar macht: die technische Ausstattung, den Körper hinter der Kamera sowie die körperliche Präsenz der Bilder selbst. In seinem differenzierten Umgang mit der HD-Technik enthüllt er eine reizvolle Morbidität des jungen Mediums.

Die im Bonner Kunstverein präsentierte Arbeit führt Ed Atkins’ Auseinandersetzung mit dem Begriff der Materialität weiter – unter anderem der des Körpers, der Stimme oder greifbarer Dinge. Obwohl er sich digitaler, sprich: immaterieller Mittel bedient, bewirkt seine Arbeit beim Zuschauer eine körperliche Erfahrung, die sich nicht zuletzt über die Mächtigkeit des Soundtracks vermittelt.

Ed Atkins studierte beim Central St. Martin’s College of Art and Design und schloss 2009 sein Studium bei der Slade School of Fine Art in London ab. Er wurde 2011 für die Shortlist des Jarman Award, britischer Kunstpreis für Videokünstler, nominiert. Letztes Jahr waren seine Werke in der Tate Britain, London, und im Sculpture Center, New York, zu sehen.