← Back
1/8

Ihre Geschichte(n), Installationsansicht, 2013, Bonner Kunstverein. Photo: Simon Vogel

Ihre Geschichte(n): Monika Baer & Monika Baer, Rita McBride & Marlene Dumas, Melissa Gordon, Petra Maitz, Anne Pöhlmann, Spartacus Chetwynd & Katharina Sieverding, Christian Falsnaes & Marianne Wex, Diango Hernandez & Friederike Tebbe, Nicolas Party & Miriam Cahn, Suse Weber & Charlotte Salomon

2013 feiert der Bonner Kunstverein sein 50-jähriges Bestehen. Im Rahmen der Jubiläumsausstellung werden mehrere Veranstaltungen auf die Geschichte des Vereins verweisen, und Fragen wie Debatten von früher aus heutiger Sicht nochmals aufgenommen. Mit der Ausstellung „Ihre Geschichte(n)“ wollen wir im Jubiläumsjahr an die Historie der Institution erinnern und diese unter einem präzisen Blickwinkel betrachten, der sie mit aktuellen Diskussionen verbindet.

Die Ausstellung „Ihre Geschichte(n)“ nimmt ihren Ausgangspunkt in der besonderen Programmatik, die sich im Bonner Kunstverein seit seiner Gründung 1963 herausgebildet hat. Schon in den ersten Jahrzehnten wurden außergewöhnlich viele weibliche Positionen vorgestellt, hauptsächlich aus dem Rheinland. Anfang der 80er Jahre waren mehrere Ausstellungen Künstlerinnen aus den 20er und 30er Jahren gewidmet. Parallel wurden – der Zeit entsprechend – unter dem Banner des Feminismus Ausstellungen wie „Typisch Frau“ (1981) oder „Das Verhältnis der Geschlechter“ (1989) konzipiert. In den 90er Jahren verlor sich der manifestartige kämpferische Unterton zugunsten einer beiläufigen Selbstverständlichkeit. Seit diesem Jahrzehnt hat sich die Debatte um den Feminismus unter dem Einfluss dekonstruktivistischer Theorien wie derjenigen Judith Butlers neu formiert. In der Differenzierung von Sex und Gender, der biologischen und der sozialen Geschichte, hat sich das Verständnis gesellschaftlicher Rollen geöffnet und beweglicher gemacht. So waren in der Folge u. a. Künstlerinnen wie Ida Applebroog, Miriam Cahn, Hanne Darboven, Marlene Dumas, Leiko Ikemura, Karen Kilimnik, Annette Messager, Rune Mields, Anna Oppermann, Claudia Schifferle, Katharina Sieverding, Kiki Smith, Nancy Spero, Rosemarie Trockel, Hannah Villiger oder Marianne Wex im Bonner Kunstverein ausgestellt. In den jüngsten Jahren kamen zahlreiche Künstlerinnen dazu: Rita Ackermann, Shannon Bool, Anne Collier, Charline von Heyl, Judith Hopf, Anna Lea Hucht, Annette Kelm, Michaela Meise, Helen Mirra, Claudia & Julia Müller, Markéta Othová, um nur einige zu nennen.

Wie nun ist nach diesem Vermächtnis von Künstlerinnen zu fragen? Es ist selbstverständlich nicht möglich, die künstlerische Praxis von Frauen unter einem einzelnen Begriff zusammen zu fassen. In der Geschichte des Kunstvereins trifft man auf verschiedene Ansätze, um diese Themen zu formulieren. Die Ausstellung präsentiert Werke von jungen Künstlern, deren Praxis in direkter Verbindung mit den Auswirkungen des Feminismus steht. Sie wurden eingeladen, sich Künstlerinnen aus der Historie des Kunstvereins als Bezugspunkte auszusuchen, welche in der Ausstellung oder im Rahmenprogramm präsent sind. Die Frage nach dem Vermächtnis dieser Vergangenheit und nach einer anderen Geschichtsschreibung wird zudem interdisziplinär in dem begleitenden Symposium debattiert.