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Jonathan Binet, Installationsansicht, 2015, Bonner Kunstverein, Courtesy der Künstler und Gaudel de Stampa, Paris. Photo: Simon Vogel

Jonathan Binet

Mit seiner ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland zeigt der französische Künstler Jonathan Binet (*1984 in St. Priest/F, lebt und arbeitet in Paris) eine Reihe von neuen Arbeiten, die speziell für die Räume des Bonner Kunstvereins konzipiert wurden.

Das Werk von Binet konzentriert sich auf die Malerei. In der Tradition des „Shaped Canvas“ stehend (ab 1960 durch Frank Stellas Arbeit geprägt), können seine Leinwände unterschiedliche Gestalt annehmen. Mit einem oder mehreren monochromen Stoffen bespannt, werden sie äußerst sparsam bemalt; es können Linien, Kreise oder einfache Zeichen sein, die Binet mit einer Geste auf die Oberfläche sprüht, zeichnet oder pinselt. Wie das Knochengerüst und die Haut eines Körpers, bestimmen der Keilrahmen die Form der Leinwand und der Stoff die Qualität der Umhüllung. Das Besondere in seinem Werk liegt in der Wahrnehmung der Malerei als „integratives Objekt“. Der Prozess der Integration – die Einbeziehung in ein größeres Ganzes – findet bei der Installation im Raum statt. Binet behandelt die Wand und die Gegebenheiten des Ausstellungsortes als Komponenten seiner Malerei. Aus den Rahmenbedingungen des Raumes heraus initiiert er einen Arbeitsprozess, während dessen alles, was dort stattfindet, die Ausstellung bildet. Seine Leinwände können sich verbiegen und in einem Treppengeländer eingebettet werden. Sie können auch durch das Sprühen einer durchgehenden Linie auf die Wand- und Stoffläche in den Raum übergehen. Mit dieser direkten und gleichwertigen Behandlung sowohl der Malerei als auch des Ortes wird das Werk untrennbar vom Raum und existiert als solches nur in genau diesem Moment und dieser Verortung.

Die neue Serie von Malereien, die Binet für die Räume des Bonner Kunstvereins konzipiert hat, basiert auf Leinwänden der gleichen Form. Über die Anpassung der Arbeit an den Raum hinaus nutzt er das Prinzip der Wiederholung, um ein visuelles Spiel von Echos, Verwirrungen und Verschiebungen der Realität entstehen zu lassen. Somit unternimmt er eine Untersuchung, die man auf die sprachlichen Überlegungen von Alain Robbe-Grillet (1922-2008) in seinem Buch La reprise (Die Wiederholung, 2001) beziehen könnte. Darin unterscheidet der Autor die Idee der Wiederholung von der Wiederaufnahme (répetition und reprise): ist eine genaue Wiederholung überhaupt möglich?

Jonathan Binet hat unter anderem in der Kunsthalle Sankt Gallen (2015), Centre d’Art Neuchâtel (2014), Palais de Tokyo, Paris (2012), und im CAPC in Bordeaux (2012) ausgestellt.

Die Ausstellung Jonathan Binet wird mit freundlicher Unterstützung des Bureau des arts plastiques des Institut français und des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation realisiert.