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Klara Liden, Installationsansicht, Bonner Kunstverein, 2010. Photo: Simon Vogel

Klara Liden: Rumpfflächen und Plünderbanden

Als Gewinnerin des Kunstpreises blauorange 2010 der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken wird die in Berlin lebende schwedische Künstlerin Klara Liden (*1979, Stockholm) ausgezeichnet. Die Preisträgerin wurde von einer Jury aus sechs Vertretern von Kunstvereinen unter der Leitung des Kunstbeauftragten Veit Loers nominiert. Ihre rebellischen, mit der physischen und psychischen Wahrnehmung spielenden Videos, Performances und Installationen wurden international gewürdigt, u. a. mit Präsentationen im Museum of Modern Art, New York, der Kunsthalle Fridericianum, Kassel, und zuletzt in der Serpentine Gallery, London. Darüber hinaus ist Liden auch als eine von vier Kandidaten für den Kunstpreis der Nationalgalerie nominiert.

Klara Lidens Werke verschließen sich einer eindeutigen Klassifizierung: Performance, Installation, Sound und Video stehen nebeneinander oder verschmelzen zu einer multimedialen Installation. Mit Energie und physischem Einsatz besetzt Klara Liden öffentliche Räume oder lässt Privates auf eine fast schmerzhafte Weise öffentlich werden. Immer wieder bricht sie mit gesellschaftlichen Konventionen und ästhetischen Sehgewohnheiten. Am Spreeufer in Berlin baute sie einen alten Bunker zu frei verfügbarem Wohnraum um und gründete ein kostenfreies Einpersonen-Postsystem. Manche ihrer Videoarbeiten gründen auf Performances im öffentlichen Raum, wie ihr wohl bekanntestes Video „Paralyzed“ von 2003, ein hemmungsloser, ungezwungener Tanz durch die U-Bahn unter Beobachtung der verstörten Blicke der Passanten.
Egal ob Institution oder Straße: entsprechend Lidens Arbeitsweise, gefundene Gebrauchsmaterialien aus der unmittelbaren Umgebung – Pappkarton, Wellblech, Fahrräder, Rohre, usw. – zu verwerten, existiert immer ein Verweis auf den Raum bzw. Kontext. Konsequenterweise entstehen die Ausstellungen meist ortsspezifisch und prozesshaft vor Ort. Für ihre Bonner Präsentation wählt Liden den Titel „Rumpfflächen und Plündererbanden“ – eine Anspielung auf die umliegende Landschaft und die Geschichte der Stadt Bonn.

Liden arbeitet nicht nur mit institutionellem, architektonischem, privatem oder mentalem Raum, sondern sprengt auch immer wieder dessen Grenzen. In der Installation Elda för kråkorna (Heating for Crows, 2008, Reena Spaulings, New York), öffnete sie einen Teil des Galerieraumes, so dass Tauben in den Galerieraum fliegen konnten, im Jeu de Paume, Paris, verbaute sie Türen mit gestapelten Planen – eine subtile wie radikale Geste und ein Angriff auf die Konvention des klassischen „White Cube“. Klara Lidens Arbeiten sind nicht nur eine mentale, sondern auch eine körperliche Herausforderung für die sonst meist passiven Betrachter.