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Markéta Othová, Installationsansicht, Bonner Kunstverein, 2012. Photo: Simon Vogel

Markéta Othová

In den Ausstellungen des Bonner Kunstvereins treffen die analogen Fotografien von Markéta Othová (*1968) auf die High Definition Videoinstallation des britischen Künstlers Ed Atkins (*1982): schwarzweiße wie farbige Aufnahmen alltäglicher Momente auf computergenerierte Filmsequenzen mit
präzisen Schnittrhythmen und satten HD-Farben. Trotz der offensichtlichen Unterschiede verbindet die Künstler die dezidierte Auseinandersetzung mit ihrem jeweilige Medium.

Obgleich als Einzelpräsentationen konzipiert, führen die zwei Positionen einen vielschichtigen Dialog, bei dem Atkins’ Videoprojektion im zentralen Kabinett
des Ausstellungsraumes und die es umgebenden Fotografien Othovás ineinander widerhallen.

Ein Apfelbaum, Sammelkarten für Kinder, ein leerer Sessel: Markéta Othová (*1968 in Brno, lebt und arbeitet in Prag) detaillierte Beobachtungen gelten unscheinbaren Momenten, die sie in ruhigen, zumeist schwarzweißen Kompositionen ablichtet. Die Tradition der tschechischen Fotografie fortschreibend, verbindet Othová lyrische wie konzeptuelle Ansätze zu einer Bildsprache, die fragend den Möglichkeiten des eigenen Mediums nachspürt. Für die Räume des Kunstvereins entwickelte sie ein bemerkenswertes Ausstellungskonzept, in welchem dem komplexen Motiv des Spiegels eine besondere Bedeutung zukommt.

In seiner bald 50-jährigen Geschichte hat der Bonner Kunstverein immer wieder die zeitgenössische Fotografie ins Blickfeld gerückt – zuletzt im Dezember 2011 mit den Arbeiten von Annette Kelm. Wir freuen uns, mit der aktuellen Ausstellung nun eine wichtige künstlerische Position Osteuropas vorstellen zu können. Markéta Othovás Werke fanden bereits internationale Beachtung, waren in Deutschland jedoch vornehmlich in Gruppenpräsentationen vertreten – u.a. 2009 in der Überblicksausstellung Tschechische Fotografie des 20. Jahrhunderts, Bundeskunsthalle Bonn, oder 2010 bei der Schau Eastbound im KAI 10, Düsseldorf. Die Einzelpräsentation im Kunstverein ermöglicht nun eine intensivere Auseinandersetzung mit ihrer Arbeitsweise.

Markéta Othová verglich ihre Aufnahmen einmal mit Worten, die im Zusammenspiel Sätze bilden. Für sie ist das Arrangement der Werke wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Praxis. Bei ihrer Auswahl für die Bonner Ausstellung interessiert sie sich thematisch insbesondere für zwei Arten von Räumen – den Wohn- und den Naturraum. Diese Bereiche führt Othová kontrapunktisch zusammen und zeigt ihre wechselseitigen Bezüge. In diesem Sinne entpuppt sich beispielsweise die wunderbare Studie einer aufgehenden Blüte als Großaufnahme einer feinen Intarsienarbeit. Und wenngleich die ausgewählten Werke keine agierenden Personen beinhalten, zeigen sie Spuren ihrer Präsenz und verweisen in Raumfragmenten, Möbeln oder Landschaftsausschnitten auf die gestalterischen Eingriffe des Menschen.

Die analogen Bilder lassen die dezidierte Auseinandersetzung mit der Fotografiegeschichte erkennen – von der Avantgarde der 20er und 30er Jahre über die Subjektive Fotografie bis zur Produkt- und Konzeptfotografie. Markéta Othová medienreflexive Haltung bestimmt dementsprechend ihr ungewöhnliches Präsentationskonzept für den Bonner Kunstverein: Achsensymmetrisch antwortet die Hängung des hinteren Teils der Ausstellungshalle auf die des vorderen und greift so den Spiegel, der die Fotografie technisch prägt und die Diskussionen um ihre Abbildfunktion durchzieht, als strukturierendes Element auf. Mit dieser präzisen Komposition kreiert Markéta Othová eine verblüffende Raumerfahrung, die sich beim Durchgehen, Innehalten und wiederholten Betrachten der Abzüge als echoreiche Suche nach dem Wesen des fotografischen Bildes erweist.