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NACH BONN - Eine Montage, Installationsansicht, Bonner Kunstverein, 2012. Photo: Simon Vogel

Nach Bonn – Eine Montage: Lars Brandt, Alexander Braun, Jakob Kolding, Goshka Macuga, Yorgos Sapountzis, Timo Seber, Gernot Wieland

Den Ausgangspunkt für die Ausstellung Nach Bonn – Eine Montage bildet ein Text des Schriftstellers Lars Brandt (*1951, Berlin), der speziell für dieses Projekt entstanden ist. Brandt, einer der profiliertesten Seismographen des Wandels der Stadt Bonn, hat seinen Beitrag Bonn. Montage ausschließlich aus Zitaten zusammengefügt. Sätze von Goethe über Conrad bis Dubuffet führen eine Mehrstimmigkeit ein, die jede Stadt ausmacht und die in der Ausstellung ihre Fortsetzung findet. Einem Kaleidoskop ähnlich fügen sich in der Gruppenpräsentation die unterschiedlichsten Positionen von Künstlern aus Bonn, der Region sowie von Künstlern, welche die Stadt zunächst nur medial vermittelt kannten, zu einem heterogenen Bild über die Geschichten, Befindlichkeiten oder Möglichkeiten einer Stadt, die ihre Identität in kürzester Zeit mehrfach umdenken musste.

Das ‚beschauliche Bonn’ wurde 1949 zur Hauptstadt, verlor nach 41 Jahren diese Rolle wieder und ist nun eine mittlere Großstadt mit glanzvoller Historie. Sie führte in ihrer jüngeren Geschichte eine beeindruckende Wandlungsfähigkeit vor Augen, die bedeutungsvoll für ihre Zukunft bleibt. Vor diesem Hintergrund weist das „nach“ des Ausstellungstitels neben der räumlichen zugleich auf eine zeitliche Dimension hin: Woraus könnte diese Stadt bestehen, nachdem ihre Identität mehrmals geändert wurde?

Anstatt mit Statistiken oder soziologischen Studien Antworten zu geben, stellt das Ausstellungsprojekt künstlerische Positionen vor, die persönliche Perspektiven Nach Bonn zeichnen, und spiegelt in der heterogenen Ästhetik der gezeigten Werke die Vielfalt und Wandlungsfähigkeit der Stadt. So untersucht der Beitrag des in Bonn lebenden Künstlers Alexander Braun (*1966, Dortmund) Wandel als dialektischen Prozess und spielt hierbei auf die Schlacht um Worringen von 1288 an, welche nachhaltig die Machtverhältnisse in der Region veränderte. In ähnlicher Weise reflektiert Timo Seber (*1984, Köln) über die Inszenierung der einstigen Hauptstadt. Das Buchprojekt des eigenen Großvaters zu Bonns glanzvoller Vergangenheit dient ihm als Basis seiner Auseinandersetzung mit einer bisweilen großbürgerlich-nostalgischen Selbstbeschreibung. Gernot Wieland (*1968, Horn, Österreich) spricht in seinen performativen und skulpturalen Werken die Stadt als Ort zwischenmenschlicher Erfahrungen an und führt Gegensätze wie Vertrautheit und Fremdsein, Nähe und Distanz zusammen.

Jakob Kolding (*1971, Albertslund, Dänemark) bleibt seinerseits bewusst in der Distanz. Er montiert in seine Collagen gefundenes Bildmaterial sowie im Internet kursierende Aussagen über die Stadt, die er wie die meisten nur als ‚vertraute Fremde’ über die Medien vermittelt kannte. Yorgos Sapountzis (*1976, Athen) sucht in seiner performativen Praxis die direkte Auseinandersetzung mit dem Ort und den Bewohnern. Sein Wandobjekt entstand in Zusammenarbeit mit Bonner Grundschülern und deutet unmittelbar mit dem Material die Dynamiken und Formungsprozesse der Stadt an. Die Künstlerin Goshka Macuga (*1967, Warschau) lenkt in ihrer Arbeit den Blick auf die gesellschaftliche Stellung der bildenden Kunst und bezieht sich mit Picassos berühmtem Antikriegsbild Guernica kritisch auf die jüngere Geschichte der auch in Bonn ansässigen UN.

Nach Bonn – Eine Montage vertraut auf die Stärke der Kunst, neue Bilder und Vorstellungen zu generieren und auf diese Weise Anregungen für Diskussionen und Gemeinschaft anzubieten. In einer Phase, in der die Stadt ihre eigene Position und Rolle gegenüber der Kultur neu verhandelt, möchte diese Ausstellung daran erinnern, dass eine Vorstellungskraft für die Zukunft in der Kunst zu finden ist.