← Back
1/6

Jan Meier, Christoph Westermeier, Installationsansicht, Bonner Kunstverein, 2011. Photo: Simon Vogel

Peter Mertes Stipendium 2010: Jan Meier, Christoph Westermeier

Wie findet man in einer Zeit der Bilderflut, der Handykameras und Kommunikationstechnologien, einer Zeit, in der Fotografie ein selbstverständlicher Teil der Kunstwelt geworden ist, seinen Weg zu einer eigenen künstlerischen Position?
Für Christoph Westermeier (*1984 in Köln), Absolvent der Akademie Düsseldorf bei Christopher Williams und Rita McBride, dienen genau jene Bilder als Inspiration: Konsequent fotografiert er mit einer einfachen Digital- oder Handykamera Abbildungen und Texte aus Sachbüchern, Werbung und Magazinen, Kunst im Privaten oder im Museum. Schon Walter Benjamin begründete die Möglich keiten der technischen Reproduktion, die mit Hilfe von Verfahren wie Vergrößerung oder Ausschnittswahl neue Blickpunkte des „Originals“ sichtbar machen kann. So findet auch Westermeier über eine „zweite Reproduktion“ und die ungewöhnliche Kombination verschiedener Bilder und Inhalte zu einem subjektiven Blick, mitunter auch auf die Mechanismen unserer Wahrnehmung.

Einen einzigartigen Ausschnitt unserer Umwelt vermag auch Jan Meier (*1978 in Leonberg) über einen gleichermaßen reflektierten wie emotionalen Umgang mit dem Medium Malerei zu vermitteln. Seine Werke verweisen auf so unterschiedliche Quellen wie Informel und Action Painting, Pop Art und Pattern Painting, und überführen diese in eine zeitgemäße bildnerische Form. Eine Muschel am Strand, ein Ein-Cent-Stück, ein Espadrille, ein Pilsdeckchen, ein Sternenhimmel oder verwelkte Blumen –die Dinge und Phänomene in Meiers Werken sind so persönlich wie trivial. Als objet trouvé finden sie sich direkt auf manchmal großformatige Leinwände oder Zeichnungen collagiert, oder sind wie zufällig so drapiert, dass sie die charakteristischen Merkmale eines Gesichtes oder einer Tiergestalt annehmen. Sind sie gezeichnet oder gemalt, dann meist von orna men taler, scheinbar naiver und autonomer Form. Immer wieder bewegen sie sich am Rande einer schmalen, ungeschriebenen Grenze, die für die Spannung und Qualität der Werke steht: einer Grenze zwischen Figuration und Abstraktion, Melancholie und Kitsch, Banalität und Leichtigkeit.