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Shannon Bool, Installationsansicht, Bonner Kunstverein, 2011. Photo: Simon Vogel

Shannon Bool: The Inverted Harem II

Trifft der Ausstellungsbesucher auf Ornamente, so meist beim Anschauen von Gemälden oder deren Reproduktionen. Finden sich diese auf Teppichen wieder, die bei Shannon Bool (*1972, lebt in Berlin) etwa „van Eyck Carpet“ oder „Memling Carpet“ heißen, so entfalten sie sich in bestechender Farbigkeit auf einer horizontalen Ebene. Die kanadische Künstlerin führt die Ornamente, die dem kunsthistorischen Bilderkanon oder alltäglichen Gebrauchsgegenständen entnommen sind, auf ausladende Teppiche zurück, die sie wiederum in hochwertiger Qualität von türkischen Teppichknüpfern anfertigen lässt.

Bools Ausdrucksformen sind vielfältig: Neben den Bodenarbeiten finden sich installative Werke, Seidenmalereien, Fotogramme und Collagen. Manche Elemente ihrer visuellen Sprache entstammen der klassischen Malerei, ohne diese explizit zu thematisieren, andere entnimmt sie der religiösen Symbolik, ohne deren Dramatik auszuspielen. Wieder andere werden der Volkskultur entliehen und verlieren dabei jegliche anekdotische Dimension. Immer steht die Frage nach der Transferleistung kultureller Codes im Vordergrund. Die der Kulturhistorie entzogenen Motive werden dabei nicht zitiert, sondern zu reinem Bildmaterial. Träger und Inhalt stellen sich gegenseitig in Frage: Eine Pole-Dance-Stange beispielsweise wird ihrer ursprünglichen Funktion beraubt und als minimale architektonische Setzung präsentiert, Abbildungen privater Räume erscheinen als edle Dokumente unserer Lebensweise.

Im Rahmen der Ausstellung bildet der Harem einen Überbegriff: Im 19. Jahrhundert wurde dieser verborgene Raum zu einem Topos in der westlichen Malerei, der den idealen Ort für Projektion darstellte. Hier bildet sich der männliche Blick auf die Frau ab, ebenso derjenige des Westens auf den Orient, getragen von zügelloser, betörender Sinnlichkeit.

Bool nutzt eben diese anziehende Kraft von Materialien, Oberflächen, Formen wie Farben, beraubt sie aber zugleich ihrer ursprünglichen Funktion. Sowohl die vertikalen Skulpturen – Erinnerungen an Pole-Dance-Stangen – als auch die Seide der Gemälde evozieren einen Verführungstanz, der nicht stattfinden wird.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der GAK – Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen.