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SIEHT MAN JA, WAS ES IST, Installationsansicht, 2013, Bonner Kunstverein. Photo: Simon Vogel

„Sieht man ja, was es ist“: Die Editionen der Galerie Erhard Klein 1972 – 2006

Rheinland, 70er Jahre: Die Kunstszene blüht auf und ist mit ihren Akademien, der Messe, Galerien und neuen Institutionen aktiv und gut vernetzt. Wenige Jahre zuvor wurde der Bonner Kunstverein gegründet, und 1970 eröffnet Erhard Klein, ausgebildeter Bibliothekar, seine Galerie in der Königstraße 71, unweit des Bonner Hauptbahnhofs. Innerhalb weniger Jahren wird sie zu einem Meilenstein der rheinischen wie der internationalen Kunstszene.

Erhard Kleins Hauptinteresse galt von Anfang an den deutschen Künstlern der Gegenwart: Joseph Beuys, Felix Droese, Georg Herold, Martin Kippenberger, Jürgen Klauke, Imi Knoebel, Martin Noël, Sigmar Polke, Ulrich Rückriem oder Katharina Sieverding zählten u. a. zu ‚seinen’ Künstlern. Aus der engen, zum Teil freundschaftlichen Beziehung entstanden zahlreiche Editionen und Kunstwerke, die dieses Verhältnis direkt thematisierten oder verdeckte Botschaften und Rückbezüge enthalten. So zieht sich der von Joseph Beuys auf eine Einladungskarte gestempelte Spruch Erhard Klein Unkonzentriert durch die Geschichte der Galerie und wurde beispielsweise in Multiples von Martin Kippenberger, Albert Oehlen oder Georg Herold wiederholt aufgegriffen.

Klein betrieb seine Galerie von 1970 bis Anfang 1994 in Bonn und von 1994 bis 2006 in Bad Münstereifel-Mutscheid. Über ein Vierteljahrhundert präsentierte er wichtige Künstler aus der Region sowie der ganzen Welt und machte sie international bekannt. Im Rahmen dieser Ausstellung werden die vielfältigen Editionen, die nicht selten eigens für die Galerie entworfen wurden, erstmals in einer Gesamtschau präsentiert – über 200 Werke von rund 50 namhaften Künstlern, die maßgeblich zum internationalen Renommee der rheinischen Kunstszene beigetragen haben. Neben den einzelnen Künstlerpersönlichkeiten und der Galerie als impulsgebender Institution wird auch die Edition als Medium und ihre Erfolgsgeschichte seit den 60er Jahren gespiegelt. Der Wunsch nach einem stärkeren Austausch zwischen Kunst- und Alltagswelt, nach mehr Demokratisierung und erweiterter Teilhabe auch kunstferner Gruppen schlug sich insbesondere in den Auflagenwerken nieder. Die vielfältigen Ausdrucksformen dieser ‚Ideenträger’ – von Weinflaschen, Transparenten, Büchern, Bügeleisen, Fotografien, Skulpturen oder dem Omnibus für Direkte Demokratie – können in den kommenden Monaten abwechslungsreich erfahren werden.

Sieht man ja, was es ist rückt die innovative Kraft des Mediums Edition in den Fokus, reflektiert dessen Wandel und lässt erahnen, warum im Zusammenhang mit Erhard Kleins Engagement so häufig das Wort ‚legendär‘ gebraucht wird. So präsentiert der Bonner Kunstverein zu Beginn seines 50-jährigen Jubiläums im Jahr 2013 ein paralleles Kraftfeld, in dem neben der Geschichte der Galerie und der der eigenen Institution auch die Etablierung des Rheinlandes als wichtiges Zentrum für Gegenwartskunst lesbar wird. Inwieweit dieses ‚Erbe’ für Künstler der jüngeren Generation noch bedeutsam ist, und ob Multiples nur mehr rein merkantile Verwendung finden oder noch heute als Ideenmultiplikatoren fungieren, diskutieren Künstler, Kunsthistoriker und Vertreter des Kunstmarktes in dem breit angelegten Rahmenprogramm.