PAS DE DEUX:
BONNER DIALOG ZWISCHEN POLITIK UND KULTUR
Zweite Veranstaltung der Initiative für Bonn ZUKUNFT MIT KULTUR

Mittwoch, 4. Mai 2011, 20 Uhr


Teilnehmer:

Erika Coché, Rat der Stadt Bonn, SPD-Fraktion
Dr. Klaus-Peter Gilles, Rat der Stadt Bonn, CDU-Fraktion
Prof. Wilfried Löbach, Rat der Stadt Bonn, FDP-Fraktion
Gisela Mengelberg, Rat der Stadt Bonn, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Jürgen Repschläger, Rat der Stadt Bonn, Fraktion Die Linke
Johannes Schott M. A., Rat der Stadt Bonn, Fraktion Bürger Bund Bonn
Martin Schumacher, Kulturdezernent der Stadt Bonn
Prof. Stephan Berg, Intendant Kunstmuseum Bonn
Hans Walter Hütter, Präsident Stiftung Haus der Geschichte
Lothar Kittstein, Theaterautor
Ilona Schmiel, Intendantin Beethovenfest Bonn
Gabriele Uelsberg, Direktorin Rheinisches Landesmuseum Bonn
Christina Végh, Direktorin Bonner Kunstverein
Klaus Weise, Generalintendant Schauspiel Bonn


Moderatoren:

Jörg Biesler, WDR5
Melanie Weidemüller, Kulturjournalistin, Redaktion StadtRevue


Pas de deux – Die Spielregeln:


In sieben kurzweiligen Runden treffen jeweils eine Persönlichkeit aus Politik und Kultur aufeinander. Eingeladen hierzu sind die sechs Fraktionsvorsitzenden des Bonner Stadtrates und der Kulturdezernent für die Politik, sieben Leiter kultureller Institutionen, jeweils aus unterschiedlichen Sparten. Die Paare zwischen Politik und Kultur werden vor Ort per Los entschieden. In jeweils kurzen 5-10 Minütigen moderierten Runden werden die Persönlichkeiten in ein Gespräch geführt. Was wird von der Politik, respektive der Kultur erwartet?  Welche Erfahrungen machen wir mit Politik, mit Kultur? Woran macht man gute Politik und Kultur fest? Wo zeigen sich die Sachzwänge in Politik und Kultur? Warum sollen wir uns Kultur leisten und welche Identität soll Bonn in zwanzig Jahren haben? Dies sind Fragen, die uns in den kurzen Runden beschäftigen werden.
In der ersten Runde der Kulturinitiative »Zukunft mit Kultur«, in der Kulturschaffende und kulturinteressierte Bürger Anfang Oktober im Bonner Kunstverein ihre Wünsche für die Zukunft des kulturellen Lebens kundgetan haben, hat sich trotz der schwierigen Situation mit mehreren kulturellen Baustellen in der Stadt kurzzeitig so etwas wie eine Aufbruchsstimmung eingestellt. Diesen Impuls wollen wir aufgreifen. Dabei sollen Dialog, Debatte und sachkundiges Wissen die Diskussion prägen.

Unsere Zielsetzung:

Wir wollen den Versuch unternehmen, eine systematische Betrachtungsweise von Politik und Kultur einzuführen. Es geht darum, miteinander Wege zu suchen, auch mal die Perspektive zu wechseln, der Frage nachzugehen, wie wir gemeinsam zu Lösungen kommen können, Kultur und Politik..

Keine deutsche Kommune bleibt von Finanzproblemen verschont. In Bonn ist die Situation besonders angespannt, nach dem Desaster um das WCCB, den vorerst gescheiterten Plänen für ein Festspielhaus, und nach dem Ende der Förderung mit Ausgleichsmitteln aus dem Bonn/Berlin-Vertrag. Kürzungen in der Kultur sind schon länger auf der Tagesordnung: die Tanzsparte und die Theaterbiennale sind bereits weggekürzt, jährlich bangen die Akteure der freien Szene um das Fortbestehen ihrer Institutionen.

Dabei kann Bonn durchaus stolz sein: die Stadt gehört zu den (noch) wachsenden Kommunen der Republik. Zuzug einerseits und eine überdurchschnittlich hohe Geburtenrate andererseits zeigen, daß die Menschen gerne in Bonn und der Region leben. Dazu tragen wesentlich das reiche Kultur- und Bildungsangebot bei. Wie lange noch? Auf dem Spiel stehen nicht nur einzelne kulturelle Angebote, sondern am Ende geht es um die gesamte Kultur als ganz bedeutenden Standortfaktor für die Stadt Bonn.

Nachdem die Initiative »Zukunft mit Kultur« mit der Veranstaltung »Mein Wunsch für Bonn« alle wichtigen kulturellen Akteure der Stadt zusammengebracht hat, möchte Pas de deux weiter den Dialog, die Gesprächskultur zwischen Politik und Kultur befördern. Dass es hieran mangelt, war eine der wesentlichen Feststellungen der ersten Veranstaltung. Politiker wie kulturelle Akteure unterliegen in ihrem Handeln unterschiedlichen Sachzwängen, haben unterschiedliche Erwartungen an die Kultur. Hier ist Informationsaustausch nötig, denn am Ende geht es darum, für die zukünftige Indentität der Stadt, die sich maßgeblich durch ihr kulturelles Angebot profiliert, einzutreten.

Aufgrund welcher Gesetzmäßigkeiten wird Kultur gewünscht, bewertet, gefördert? Was bedeutet Kultur in einem Umfeld, das mittels »Kulturmarketing« neue städtische »Leitbilder« entstehen lassen will? Welche Formen der Kultur werden praktiziert, welche werden erwartet? Sprechen Kulturschaffende und Politiker dieselbe Sprache? Wo muß die Kultur geschützt werden vor Übergriffen einer auf Effizienz und Vermarktung, auf Gewinnschöpfung ausgerichteten Gesellschaft? Auf diesem Weg sollen die grundlegenden strukturellen Probleme gemeinsam zusammengetragen werden.

Es soll und kann nicht alles bleiben wie es ist. Falls die Krise eine Chance ist, dann wollen wir sie nutzen. Neue Wege können nur gemeinsam - von Kultur, Politik und engagierten Bürgern - gefunden werden. »Zukunft mit Kultur« will dazu beitragen, solche Begegnungen zu ermöglichen. Nicht mehr und nicht weniger.

Artikel von Thomas Kliemann im Generalanzeiger vom 6. Mai 2011