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In The Shadows of Tall Necessities

Eröffnung Freitag, 9. September, 19:00 Uhr

Mit Wang Bing, Annika Eriksson, Matt Fitts, Ada Frände,
Bastien Gachet, Nöle Giulini, Rei Hayama, Marc Kokopeli,
Graham Lambkin, Matthew Langan-Peck, Megan Plunkett,
Josiane M.H. Pozi, Dani ReStack, Raphaela Simon,
Gianna Surangkanjanajai, Yuu Takamizawa und Gérard Traquandi.

Kuratiert von Fatima Hellberg und Annika Eriksson

Es geht um einen Menschen, der der Welt ausgeliefert ist, dem es nicht gelingen will, in ihr zurechtzukommen. Diese Welt ist heute auf Macht und Eigentum ausgerichtet. Ich glaube, man versteht bereits in der Kindheit, welche Strategien nötig sind, um alleine zu sein oder sich an sein Umfeld anzupassen, an welches auch immer. Ein Beispiel dafür ist, wie man die Schule durchläuft, vom Kindergarten zur Grundschule zum Gymnasium zur Universität bis zum Arbeitsplatz, wo man immer in der Lage sein muss, all das irgendwie zu verstehen, das Timing und was zu tun ist, um zum nächsten Schritt zu gelangen. All dies erfordert ein Verständnis der Welt, die auf alten Gewohnheiten von Herrschaft und Territorium basiert. Manche Menschen irren umher und scheitern daran. – Fanny Howe

Die Ausstellung In the Shadows of Tall Necessities stützt sich auf eine hinkende Logik. Hervorgegangen ist sie aus einer langjährigen Beschäftigung mit dem Tierheim als Form. Die Ausstellung befasst sich nicht nur mit der Spezifität und den Intimitäten dieser Orte und deren nichtmenschlichen und menschlichen Beziehungen, sondern vor allem auch mit der strukturellen Frage des beeinträchtigten Zusammenlebens. Also mit einem System der Interdependenz, das sowohl auf Asymmetrie und Dysfunktionalität beruht als auch auf dem Versuch, etwas am Leben zu halten.

Eigens für die Ausstellung hat Annika Eriksson die Arbeit Mission konzipiert, die sich auf die Form des Tierheims ebenso bezieht, wie sie von ihr abstrahiert. Das Tierheim wird hier als Raum reflektiert, in dem es um Fürsorge, Schutz, sogar Liebe geht, der zugleich aber auch mit Trauma und Vernachlässigung verbunden (und als Begleiterscheinung daraus entstanden) ist.

Eine Frage, die sich hartnäckig durch diese Arbeit ebenso wie die gesamte Ausstellung zieht, ist die der Nachhaltigkeit – eine Logik, die ganz grundsätzlich aus dem Lot geraten ist, sowie die Verhandlungen des Überlebens in deren Grenzen. Wenn es ein zugrundeliegendes Gefühl für die wechselseitige Verbundenheit von Lebewesen und deren Umwelt gibt – den fundamentalen Zustand der Interdependenz –, so wird auch die Asymmetrie der Belastungen erfasst. In dieser Verhandlung kehrt die Frage der Verschränkung nicht nur als Thema, sondern auch als Form zurück. Denn die Verhandlung wurzelt in der kuratorischen Arbeit, die zwischen Künstlerin und Kuratorin, aber auch zwischen Mutter und Tochter stattfand. Die Zusammenarbeit selbst ist Ausweis einer Methode, die nicht neutral ist und auch keinen Anspruch auf Neutralität erhebt.

Einige der Arbeiten in der Ausstellung sind in die Struktur von Erikssons Installation eingebunden, während andere semi-autonom bleiben. Megan Plunketts The Great Suggestion ist eine neue Serie von Fotografien in verschobener Perspektive. Auf einem Sessel liegt ein mit Zeitungspapier bedecktes Kissen – darauf Schlagzeilen wie etwa: „Grausamer Mann beißt Hund, Nachbarschaft geht dazwischen“. Ein Teil des Fotos ist unscharf gehalten, als würde es sich in die Abstraktion auflösen. Plunketts Arbeit erweckt etwas Krisenhaftes, Unwirkliches und Dringliches. The Great Suggestion scheint weniger auf eine „Suggestion“ selbst hinzuweisen, als vielmehr auf den Zustand, einen Raum der Fragilität einzunehmen und in seinem sich entfaltenden Widerspruch von Hoffnungslosigkeit und Hoffnung zu verharren.

Für die Ausstellungseröffnung wird der Hof des Bonner Kunstvereins in eine Installation und einen Treffpunkt mit Musik, Essen und Getränken umgestaltet.

Bild: Megan Plunkett, The Great Suggestion 01, 2022. Courtesy: die Künstlerin.

Realisiert mit großzügiger Unterstützung von der Stadt Bonn, Sparkasse KölnBonn, Förderprogramm der SK Stiftung Kultur, UmArts, Research Centre for Architecture, Design and the Arts der Umeå Universität und Carolin Scharpff-Striebich