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David Medalla, A Prophecy, 1989. Courtesy Archiv von David Medalla.

David Medalla: Parables of Friendship

Bonner Kunstverein
18. September 2021 – 30. Januar 2022
Eröffnung: 17. September 2021, 17-22 Uhr

Museion
2. April – 14. September 2022

Kuratiert von Fatima Hellberg und Steven Cairns
Ausstellungsdesign und -architektur Michael Kleine

Der Bonner Kunstverein und das Museion präsentieren David Medalla: Parables of Friendship, die erste umfassende Werkschau des Künstlers in Europa. Diese groß angelegte, zweiteilige Ausstellung rückt Medallas vielschichtiges avantgardistisches Vermächtnis in den Vordergrund und reflektiert über den Geist, das Ethos, die Energie und die Radikalität seines Werks. Die Ausstellung, deren Planungen noch zu Medallas Lebzeiten begannen, wird nach dem vorzeitigen Tod des Künstlers im Dezember 2020 in enger Zusammenarbeit mit dem David Medalla Archiv / another vacant space in Berlin realisiert.

Parables of Friendship, präsentiert Werke aus sieben Schaffensjahrzehnten des Künstlers, darunter Zeichnungen, Gemälde, Collagen, Skulpturen, Neonarbeiten, kinetische Kunst, Performances und partizipatorische Kunst. Neben Leihgaben und neuen Auftragswerken wurden viele fragile und bislang ungezeigte Arbeiten aus Medallas umfangreichem Archiv für diese Ausstellung restauriert, die nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt werden; ausgehend von der Bedeutung und der Aktualität von Medallas Praxis für die heutige Zeit stellt Parables of Friendship Verbindungen zwischen den historischen Linien und dem Vermächtnis seiner Arbeitsweise her.

Medalla, der stark von der europäischen Kunst und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts beeinflusst war, reiste 1960 von den Philippinen nach Europa und begründete in seiner ersten Station Marseille seine peripatetische Praxis. Im London der 1960er Jahre war Medalla an der kurzlebigen, aber wegweisenden und einflussreichen Signals Gallery (1962–64) beteiligt; Mitglied des experimentellen Performancekollektivs The Exploding Galaxy (1967–68); sowie Vorsitzender der politisch engagierten Gruppe Artists for Democracy (1974–77). Später rief Medalla zusammen mit dem Künstler Adam Nankervis den Mondrian Fan Club (1994) sowie die London Biennale (2000) ins Leben – auch hier bewies sich die Bedeutung von Zusammenarbeit und Austausch für Medallas Praxis.

Diese Momente des intensiven Dialogs waren Impulsgeber für seine auf vielfältige Weise verflochtene Vision. Seine Arbeit ist durch Offenheit und Freiheit des Ausdrucks gekennzeichnet, und seine Herangehensweise und sein – künstlerisches wie politisches – Ethos basieren auf der Möglichkeit des Austauschs, der zum Engagement und einer aktiven Auseinandersetzung mit den Verschränkungen zwischen Kunst und Leben auffordert. In seinem Kunstschaffen, seinen Texten und seiner aktivistischen Arbeit stellte Medalla Fragen zu Ökologie, kultureller Identität und Sexualität – in einer Art und Weise, die Schubladendenken oder unveränderliche Bedeutungen hinter sich lässt.

Medalla lebte an vielen verschiedenen Orten, unter anderem in London, Paris, Venedig, Berlin, New York und Manila, und die Erfahrungen der Reise, des jeweiligen Orts, des Wandels und der Unbeständigkeit ziehen sich durch seine gesamte Arbeit. Oft waren seine Werke ephemer oder vergänglich, da ihre Materialien sich aus den Umständen oder dem Ort ergaben, an dem er sich jeweils befand: eine Leinwand, eine Serviette, ein Umschlag, ein Notizbuch. Seine mediale Flexibilität reflektiert die durch und durch offene Praxis und Herangehensweise des Künstlers, genau wie seine momenthaften „Impromptu“-Performances, die sich unmittelbar ereigneten und lediglich in Text und Fotografie festgehalten wurden. Seine performative Präsenz, eine verkörperte Materialität, stand symbolisch für Eigenständigkeit und die Möglichkeit, mit geringen Mitteln Kunst zu schaffen.

Medallas Arbeit existiert in mehreren Realitäten, einige von ihnen fiktional, jenseits des herrschenden Paradigmas des Realen – eine Bewegung zwischen dem Materiellen und dem Spirituellen. Wie der Titel andeutet, ist Parables of Friendship eine Ausstellung, die sich sowohl der menschlichen Nähe und einem sozial engagierten Ansatz widmet, vor allem aber auch der Vorstellung von Transzendenz. Dieses Doppelte liegt im Kern von Medallas Praxis: einerseits eine Auseinandersetzung mit der Welt – vermittelt über Zusammenarbeit, Netzwerke und eine Politik des Zusammenlebens –, andererseits die Beschäftigung mit Mythologie, Freundschaft, Spiel und deren transformativem Potential. Für Medalla verlangte der „Wunsch und die Suche nach dem Ganzen“ danach, sich mit den Unterschieden zu befassen. Seine Arbeit enthält Reflexionen über die befreienden wie die schmerzhaften Paradoxa, die in der kulturellen Identität beschlossen sind. So ist Identität in Medallas Werk stets ein multitemporaler und multidirektionaler Prozess – ein zutiefst erfahrungsbasiertes und experimentelles Verhältnis zum Sein. Medallas künstlerische Auseinandersetzung mit Vielfalt ist geprägt von Neugier, Kritik und Humor. Diesen eigentümlichen Geist abzubilden und zu würdigen ist zugleich Ausgangspunkt und Ziel der Ausstellung.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Outset Germany_Switzerland, die Kunststiftung NRW, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und die Stiftung Kunst Erlebnis.